Stabilisierung und Veredelung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts forderten die Militärs eine Remonte-Zucht die nach militärischen Gesichtspunkten ausgerichtet war. Durch den Einsatz verschiedener Warmblutstuten begann bis etwa 1920 eine kritische Situation für die vorher angestrebte Stabilisierung der Rasse. Nach dieser sehr bewegten Zeit folgte eine erneute Vereinheitlichung des Typs ohne Verwendung von anderen Warmblutrassen.

Bei der Verwirklichung der Zuchtpraxis in Sachsen erwies sich die Gründung des Landesverbandes sächsischer Pferde-Züchter im Jahr 1920 als wertvolle Unterstützung. Im Erscheinungsbild sollte nun das sächsische Warmblutpferd dem Ende der zwanziger Jahre in Oldenburg und Deutschland aufgestellten Zuchtziel entsprechen: "Ein schweres, starkknochiges, vollrumpfiges, leistungsfähiges Wirtschaftspferd mit mittleren Rahmenausmaßes, welches durch Leichtigkeit, Fruchtbarkeit, Langlebigkeit, Gängigkeit, Verwendungsvielfältigkeit und Stärke des Fundaments mit kräftigen Sprunggelenken und guten Hufen, viel Schulter mit ausgeprägtem Widerrist, gute Brusttiefe, runde Rippe und Flanke, bedeutende Mechanik und Bewegung hinsichtlich eines räumenden Trabes und eines für ein Zugpferd geforderten langen Schrittes gekennzeichnet ist." (Schüssler 1931)

In Thüringen konnte durch die ständige Zufuhr von Hengsten aus Oldenburg und Ostfriesland das schwere Halbblutpferd Thüringens immer mehr an das Ursprungsland angepasst und später auch bodenständig gemacht werden, In den Jahren zwischen 1930 und 1945 wurden in Thüringen im Schnitt der Jahre 85.000 Pferde gehalten.

Die Struktur der Landwirtschaftsbetriebe, zumeist mittlere bäuerliche Höfe, kam der Entwicklung des Schweren Warmblutes weitgehend entgegen. Für die Periode zwischen 1945 und 1950 gilt, dass sich während dieser Zeit der Stutenbestand verdoppelte. Die Zahl der im Verband eingetragenen Stuten hatte sich Ende 1949 auf 2859 erhöht. Besonders die Mehrfachnutzung als Arbeits-, Wagen- und Fahrpferd war einer der wesentlichen Gründe für die starke Verbreitung. Über fast 20 Jahre war in Thüringen ein hoher Schwerer Warmblutstutenbestand und somit eine breite züchterische Basis vorhanden, die den Züchtern und zuchtleitenden Organen vielfältige Möglichkeiten der Zucht dieser Rasse gab. In diesem Zeitraum waren ständig zwischen 50 und 80 Hengste im Einsatz. Für die Zuchtarbeit und die Ausprägung von Typ und Modell hatten sich die Züchter folgende Zuchtzielforderung gestellt: "Die Züchtung eines schweren, kurzbeinigen. mittelgroßen und tiefen Warmblutpferdes mit starkem Fundament, guten räumenden Gängen und ruhigem Temperament. Der Typ ist auf ostfriesischer und oldenburger Grundlage zu festigen. Dabei ist größtes Augenmerk auf wirtschaftliche Typen mit hoher Futterdankbarkeit und Fruchtbarkeit zu legen."

Anfang des Jahres 1950 zählte der Zuchtpferdebestand in Sachsen 5086 Stuten und 104 Hengste. Das Landgestüt Moritzburg wurde aufgelöst und erhielt andere Aufgaben. Doch 1956 schon setzte sich die staatliche Hengsthaltung fort und aus dem Landgestüt entstand das staatliche Hengstdepot. Mit der Schaffung des in Thüringen gelegenen Hengstdepots Stotternheim im Jahre 1957, das dem Hengstdepot Moritzburg angeschlossen wurde, war über damals vorhandene oldenburger Hengste der Weg zur gemeinsamen sächsisch-thüringischen Schweren Warmblutzucht geebnet.

Im Jahr 1969 kam es zur Bildung der Zentralstelle für Pferdezucht in Berlin und zur Auflösung der Abteilung Pferdezucht in den Bezirksinspektionen sowie zur Übernahme dieser Abteilungen in die Pferdezuchtdirektion Süd nach Moritzburg. Damit war die Zucht des Schweren Warmblutes in eine Hand gelegt, wenn auch die Stutbücher in den Zuchtleitungen Dresden und Weimar geführt wurden.

Für beide Zuchtgebiete erfolgte eine letzte Edelblutzuführung über den im Jahr 1965 getätigten Ankauf von drei Hengsten als Landbeschälter für das Hengstdepot Moritzburg aus der ehemaligen Originalzucht Oldenburgs. Dabei war vorgesehen, dass diese bis zu 50 % Englisches Vollblut im Pedigree führen sollten. Dem entsprachen Cabinett Mo 1220, ein Sohn des 1950 nach Oldenburg importierten Anglo-Normannen Condor a.d. Maja v. Ordensritter, ebenso der Glanzrappe Eros Mo 1220 v. Elegant a.d. Gismeta II v. Cäsar und ganz besonders der etwas knapprahmige aber elegante Halbbluthengst Ventus Mo 1221 v. Velten xx a.d. Tettsina II v. Orient. Aus dem sehr erfolgreichen Direkteinfluss des Englischen Vollblüters verdient der Zuchthengst Mio xx 1244 geboren 1951, v. Orator a.d. Mitternacht v. Wallenstein, gezüchtet im Vollblutgestüt Röttgen, genannt zu werden. Er wirkte im Zeitraum 1967 bis 1976 in den thüringischen und sächsischen Zuchtbereichen.

Seine Söhne Mikado Mo 1299 und Milano Mo 1296 beeinflussten die Sporteignung ihrer Nachkommenschaft sehr positiv. Letzterer konnte die interessante Genealogie über seinen aus einer Vagand-Tochter gezogenen Sohn Miller fortführen. Zur Vervollständigung soll der Veredlungsanteil über den Arabischen Vollblüter Wesir ox Mo 1129 v. Wisznu, geboren 1954, und seine Söhne Wildfang, Winzer, Wotan, Wulf und Wunsch noch eingefügt werden, da diese Hengste in einige Pedigrees des heutigen Schweren Warmblutbestandes noch vorkommen.

 

 

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